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Gerade findet in Bochum der 8. Deutsche Allergiekongress statt. Grund genug, sich das Themenfeld ein wenig genauer anzuschaun.

Abwehrkräfte und Immunität - Illustration BakterienAktuellen Studien zufolge leidet bereits jeder 5. Deutsche an einer Allergie. Spontan fallen mir dabei Allergien auf Gräser- oder Baumpollen, der sogenannte Heuschnupfen ein. Der Körper bzw. das Immunsystem der betroffenen Personen reagiert auf an sich harmlose Substanzen, die Allergene, fälschlicherweise wie auf ein Krankheitserreger. Das hat für die Betroffenen z.T. katastrophale Folgen. Laufende Nase, juckende, brennende Augen, Beschwerden im Rachenbereich, Niesattacken, Atemnot und in Einzelfällen auch asthmatische Anfälle begleiten Pollenallergiker für die Zeit, in der die Pollen durch die Luft fliegen und eingeatmet werden können.

Eingeschränkte Lebensqualität für Pollenallergiker

Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, verursacht durch die Schlafstörungen, rauben dem ein oder anderen den letzten Nerv und verweisen die persönliche Leistungsfähigkeit häufig in den Keller.

Behandlungsmöglichkeiten

Gräserpollenallergie, Heuschnupfen, allergischer Schupfen – das Kind hat viele Namen. Doch auch wenn sich das Wort Heuschnupfen harmlos und  nach Ferien auf dem Bauernhof klingt, sollte er nicht verharmlost werden. Denn wird ein Heuschnupfen nicht rechtzeitig behandelt, droht den Betroffenen Personen ein „Etagenwechsel“. Und damit ist nicht der Aufstieg in die Chefetage gemeint, sondern der sogenannte Abstieg der Erkrankung in die unteren Atemwege. Die Erkrankung breitet sich in den unteren Atemwegen, den Bronchien der Lunge aus.

Heuschnupfenbehandlung

1. Allergenkarenz – Pollen Stopp

Als erstes sollte man versuchen, das Allergen zu vermeiden. Der fachliche Ausdruck hierfür ist die Allergenkarenz. Dies kann man tun, in dem man sich hauptsächlich in geschlossenen Räumen aufhält, im Auto einen Pollenfilter einsetzt, die Klimaanlage entsprechend präpariert und an die Fenster und Balkon- bzw. Verandatüren Pollenschutzgitter einsetzt. Da der Pollenflug eine große Rolle für das Auftreten allergischer Reaktionen spielt, sollten Räume nur zu bestimmten Zeiten gelüftet werden. Auf dem Land eher am Nachmittag oder am Abend, in der Stadt eher am Morgen.

2. Behandlung der Symptome

Da es Pollenallergiker eigentlich kaum möglich ist, den Pollen komplett aus dem Weg zu gehen, sollten im 2. Schritt auftretende Symptome behandelt werden. Ei, Juckende, brennende Augen, die immer wieder tränen, eine laufende Nase, Niesattacken und Atemnot können den ein oder anderen gefühlt in den Wahnsinn treiben. Abhilfe können Nasen- und Augentropfen, die Antihistaminika und/ oder Kortison enthalten, helfen. Schnell kommt es zu einer Besserung. Allerdings empfiehlt es sich, je nach Präparat prophylaktisch zu arbeiten, da sich von Fall zu Fall erst ein Spiegel, ein sogenannter Titer, aufbauen muss.

3. Spezifische Immuntherapie (SIT) – Hyposensibilisierung

Allergenvermeidung und die Behandlung der aus der Unverträglichkeit heraus entstehenden Symptome sind an sich schon eine gute Sache. Geht man dem Allergen aus dem Weg, regt sich das Immunsystem nicht ständig auf, die Fehl- bzw. Überreaktion bleibt aus. Aber leider besteht immer noch die Gefahr des Etagenwechsels. Und wenn man ein chronisches Asthma verhindern kann, sollte man die Möglichkeiten nutzen, die die moderne Wissenschaft einem zur Verfügung stellt.

Um das Übel an der Wurzel zu packen, ist es möglich, sich immunisieren zu lassen. Dies geschieht während der spezifischen Immuntherapie, die vielerorts auch als Hyposensibilisierung oder früher als Desensibilisierung bekannt ist. Dem Körper wird das jeweilige Allergen in einer steigenden Dosis zugeführt und er hat die Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Mit der Zeit kommt es zu einer Toleranz bzw. Gewöhnung an die jeweilige Substanz und die Überreaktionen des Immunsystems bleiben aus.

Patienten, die sich immunisieren lassen möchten, haben die Wahl, dies mit Tabletten, Tropen oder Spritzen zu tun. Die spezifische Immuntherapie dauert mindestens 3 Jahre und startet in der Regel einige Monate vor der Pollensaison. Häufig lassen die Beschwerden schon im ersten Jahr der Behandlung nach. Und nach 3 Jahren stehen die Chancen recht gut, dass sich die Beschwerden wesentlich und dauerhaft reduzieren.

Allergien müssen einem also nicht ein Leben lang begleiten. Es ist möglich, etwas dagegen zu tun. Allerdings geht die Therapiebereitschaft deutscher Ärzte aktuell veröffentlichten Studien zufolge drastisch zurück. Die Untersucher sprechen gar von einer allergischen Unterversorgung der Patienten. Es fehlen gut qualifizierte Mediziner und hochwertige Weiterbildungsangebote. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass jemand sagen wird: „Ich werde mich dieses Problems annehmen.“

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