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Hier ist es hier in letzter Zeit etwas still geworden. Ich war stark in mehreren größeren Projekten involviert und bin einfach nicht zum Bloggen gekommen. Die, die mich hier schon etwas länger lesen, haben sicher mitbekommen, dass ich letztes Jahr an Krebs erkrankt bin. Ein Schock, der nicht leicht zu verdauen war.
Ab und an habe ich mich wie ein traumatisiertes Kriegsopfer gefühlt. Meine Bewältigungsstrategie war arbeiten, nicht groß darüber reden und Bilder anschaun. Nicht darüber reden war gut – denn in dem Moment, wo man etwas ausspricht, existiert es. Bilder dagegen hatten bzw. haben für mich eine unheimlich große Kraft, um positive Gedanken, schöne Erinnerungen oder Zukunftserwartungen zu transportieren und in unseren Köpfen entstehen zu lassen. Reden tat mir nicht gut. Tat mir deshalb nicht gut, weil mein Umfeld Kopf stand und mit der Situation komplett überfordert war. Aber wenn wir ehrlich sind, dann ist es wahrscheinlich auch viel zuviel verlangt, von Deinen Freunden oder Deiner Familie zu erwarten, dass Dir Dein Gegenüber genau das sagt, was Du brauchst oder was Du einfach gerne hören möchtest.

Ich wusste ganz genau, was ich gerne hören wollte. Und ich wusste, dass es das Richtige war. Und der Wunsch, es von meinem Gegenüber zu hören, der war riesengroß. Irgendwie hätte ich mich etwas bestätigter gefühlt.

Beautiful Freedom

Die gute Nachricht ist, dass ich inzwischen als geheilt gelte. Ich fühle mich so gut, wie seit Jahren nicht mehr und bin dankbar, dass die moderne Medizin es möglich macht, Krankheiten wie Krebs zu heilen. Ich glaube, ich hatte unheimlich Glück gehabt. Zum einen, dass diese Krebsart lokal begrenzt war und zum anderen, dass sie auf Bestrahlungen unheimlich gut angesprochen hat. Auch war ich froh, dass keine Chemotherapie nötig gewesen ist. Und das ich mein Leben so normal wie mir möglich weitergelebt habe. Arbeiten rund um die Uhr, um das Damoklesschwert, dass über mir hing, nicht wahrnehmen zu müssen. Ihr lacht jetzt sicher, weil die Vorstellung, rund um die Uhr zu arbeiten absurd klingt. Aber irgendwie musste ich mich von der Krankheit ablenken und sinnstiftende Dinge tun.

Mein Social Media Konsum hat sich in dieser Zeit schlagartig verändert. Ich habe extrem wenig geschrieben, wenig gepostet und auch wenig gelesen. Zu empfindsam war ich und zu groß war die Angst, etwas zu lesen, was mir nicht gut tat. User generated content war mir ein Graus. Zum ersten Mal ist mir bewusst geworden, wie viel Mist im Internet geschrieben steht. Informationen, die vorne und hinten nicht zusammenpassen, fachlich falsch sind und in einen Kontext zu finden sind, in dem sie nichts zu suchen haben. Dabei hat es sich nicht um persönliche Erfahrungsberichte gehandelt, sondern um medizinische Informationen, die von engagierten Patienten zusammengetragen und in Foren und Netzwerken veröffentlicht worden sind. Dahinter konnte ich aber ähnliche Muster erkennen. Der Drang, sich über Krankheiten, die Behandlung und Medikamente auszutauschen. Die Suche nach Menschen in einer ähnlichen Situation, mit denen man über jeden Aspekt der Krankheit sprechen bzw. sich austauschen kann. Menschen, die sich allein gelassen fühlten, weil der Arzt nicht genug Zeit hatte, mit Ihnen über die Krankheit zu sprechen. Menschen, die nach Hoffnung und Perspektive gesucht haben und irgendwo lost waren.

Ärzte, Krankenkassen und Pharmaunternehmen tun hier immer noch viel zu wenig.

Trusted Informationen und Informationen, die Hoffnung machen, sind meines Erachtens ein ganz großes Thema. Frei nach dem Motto: Keine Wahrheit kann so weh tun, als das sie nicht ausgesprochen werden kann. Nur das wie ist die Frage.

Was mir sehr viel Freude, Kraft und wundervolle Menschen gegeben hat, war die Ausbildung zum Systemischen Coach und Changemanager am INeKo in Köln. Jetzt, drei Monate später, bin ich also wieder gesund, habe mich innerhalb einiger Projekte ausgelebt und mir noch ein paar neue Dinge erschlossen.Ich kann dieses Vorgehen jedem empfehlen. Zum einen kreisen die Gedanken nicht ständig um die Krankheit und alles, was damit verbunden ist. Zum anderen lernt man neue Leute kennen, erschliesst sich neue Wissengebiete und steht hinterher mit sehr viel neuen Erkenntnissen da.

Ich möchte mich auf diesem Weg bei meiner Coaching-Truppe bedanken. Ohne Euch wäre ich jetzt nicht dort, wo ich bin. Thanks god that I´ve met you guys. I´m so glad to be part of you and could walk beside and with you.

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