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 „Haben Sie Bauchweh? Fühlen Sie sich unwohl?  Ist Ihnen schwindlig? Haben Sie Fieber? Plagen Sie Kopfschmerzen? Haben Sie Impffragen oder eine allgemeine medizinische Frage?“ ragt die Stimme aus dem Off. Na gut, nicht das Off, aber der Mediziner – der Ihnen am Bildschirm gegenüber sitzt.

Via Telemedizin ist dies möglich – Telearbeit scheint also in Zukunft für uns selbstverständlich zu sein. Und nicht nur für uns als Personen, die das Gefühl haben, krank zu werden und ärztliche Hilfe haben möchten, sondern auch für die Mediziner selbst.

Für Mediziner sicher eine andere Art und Weise, ihren Beruf auszuüben – aber sicher eine Attraktivere, als ihnen in vielen Krankenhäusern und Spitälern geboten wird. Wie Studien und Umfragen belegen, sind die Arbeitsbedingungen in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens nicht so gut, wie man es sich vorstellt. Keine schöne Vorstellung für jeden einzelnen, der sich wegen Krankheit ins Krankenhaus begibt. Erwartet man doch, dass sich dort fachgerecht um alles gekümmert wird. Auch wenn dies geschieht, geschieht es häufig auf Kosten des Personals.  So müssen knapp 80 Prozent der Mediziner 50 bis 80 Wochenstunden arbeiten – damit verbunden viele Nachtdienste und Wochenenddienste. Was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbetrifft, haben Ärzte häufig genauso wenig Spielraum, wie das Pflegepersonal. Nicht jeder kann komplett von zuhause arbeiten und auch nicht jeder möchte dies. Beruf, Familie und Hobbys – das alles unter einen Hut zu bekommen ist kaum möglich – aber nicht jeder möchte Abstriche machen. Um qualifiziertes Personal halten bzw. zu gewinnen, ist es also nötig, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen.

In der Schweiz ist MEDGATE – das Schweizer Zentrum für Telemedizin ein Vorreiter für telemedizinische Konsultationen. MEDGATE bietet eine Vielzahl von unterschiedlichen Dienstleistungen an. Dies ist gerade im Rahmen von Disease-Management-Programmen, die die Krankenkassen anbieten, interessant. Dabei werden chronisch kranke Menschen betreut, mit der Hoffnung

  • durch eine abgestimmte und kontinuierliche Betreuung Folgeerkrankungen zu vermeiden.
  • die Kooperation von Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern, Apotheken und Reha-Einrichtungen zu fördern.
  •  Abstimmung der Therapieschritte – evidenzbasiert
  •  die Leistungsausgaben der Krankenkassen zu senken.

Ablauf einer medizinischen Krankenkonsultation

Für die Mitglieder von MEDGATE sieht eine tefonische Krankenkonsultation wie folgt aus:

Der Anrufer wird gebeten, im Vorfeld seine Krankengeschichte (inkl. Allergien und Operationen), die Symptome, Medikamente und Rückrufnummern  des Problems zu notieren. Diese Daten werden dann bei Anruf zentral erfasst, an den Mediziner weitergeleitet, der dann den Patienten zurückruft. Es ist außerdem möglich, per Email Fotos von Haut- oder Augenveränderungen mitzuschicken. Der Mediziner ruft dann zurück und bespricht die bestehende Problematik, gibt Behandlungsempfehlungen. Bei schwerwiegenden Problemen, die durch die Behandlung durch den Patienten selbst nicht möglich sind, wird dann der Besuch einer Arztpraxis oder aber die Einweisung ins Spital empfohlen und veranlasst.

WebDoctor – telemedizinische Sprechstunde online

Es gibt außerdem die Möglichkeit, die telemedizinische Sprechstunde zu nutzen. Dies ist eine Möglichkeit, die auf Regelmäßigkeit angelegt ist. Dabei können via Internet medizinische Fragen an das Ärzteteam zu stellen, die innerhalb von 24 h bearbeitet werden. Die entstehenden Kosten werden von einer Vielzahl von Versicherern, Stiftungen, Firmen und Institutionen, mit denen Rahmenverträge abgeschlossen wurden, übernommen.

Ausblick

Sicher erfordert die Telemedizin nicht nur ein Umdenken bzgl. der Patientenansprache, also der  Kommunikation mit dem Patienten, sondern auch die Krankenbeobachtung an sich. Der Vorteil für alle Beteiligten liegt meiner Meinung aber klar auf der Hand. Unabhängig von der Uhrzeit und ebenfalls ortsunabhängig ist es möglich, sich eine qualifizierte ärztliche Meinung einzuholen – zuhause, im Büro oder aber im Urlaub. Letzteres schon allein wegen möglicher Sprach- und damit Verständigungsprobleme angenehm.

Für Mediziner bietet das Berufsbild des Telemediziners wie eingangs beschrieben eine Möglichkeit, die Work-Life-Balance zu erhalten. Und auch wenn es noch viele Bedenken gibt und sich etliche Mediziner dagegen sträuben, letztendlich haben die Patienten als Kunden und auch die Krankenversicherer ein Wörtchen mitzusprechen. Und wenn der Patient als Kunde dieses Angebot gerne nutzen möchte, dann wird sich kaum ein Arzt dagegen sperren können, telemedizinische Sprechstunden anzubieten.

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